„Lass uns doch Feinde sein“ – Review

by Michi on Januar 5, 2008

Längst versprochen und überfällig – jetzt aber endlich dazu gekommen. Bereits im November veröffentlichte Mischa sein Buch Lass uns doch Feinde sein. Die Lesung im PlanB war sehr sehr nett – daher hab ich es mir nicht nehmen lassen, ein Exemplar käuflich zu erwerben. Natürlich will ich dann hier nochmal über das Buch flektieren.

Zunächst muss ich aber dazu folgendes loswerden. Egal, was ich hier über das Buch schreibe; es ist eine großartige und zu tiefst respektable Leistung, die der Mischa da vollbracht hat. Ich fühl mich direkt richtig mies und unwürdig, mir auch nur im geringsten Kritik zum Buch einfallen und zu Text bringen zu können. Respekt Mischa! Und Danke!

Die Handlung ist schnell erzählt: Es geht um den „Exil Bielefelder“ Julian Wattenberg – genannt Watte – der in Berlin lebt und jüngst von seiner Freundin Katinka verlassen wurde. Nach zahlreichen Jahren Beziehung trifft ihn der Schlussstrich sehr hart, nicht zuletzt da Weihnachten direkt vor der Tür steht. Zu Wattes Glück kommt sein bester Freund Achim aus Australien zu Besuch um ihn wieder auf die Beine zu stellen. Zusammen mit anderen Freunden wie Boris, Turbo oder Jürgen erleben sie jede Menge abgedrehtes Zeug – und zeigen, dass Freundschaft das einzige ist, das zählt.

Das Buch ist unglaublich witzig. Sowohl kleine als auch große Pointen laden nicht selten zum Grinsen ein. Das Lesen macht viel Spaß und wer einige Texte von Mischa als Slam Poet kennt (und mag), wird auch den Schreibstil und den Humor von „Lass uns doch Feinde sein“ sofort wieder erkennen und mögen.
Es gelingt Mischa, eine zu 100% glaubwürdige Handlung rüber zu bringen. Ich bin mir sicher, dass sich jeder Leser zumindest in Teilen im Protagonisten Watte oder Deuteragonisten Achim wieder findet. Jeder Abschnitt aus Gegenwart oder der Vergangenheit von Watte und Achim im ostwestfälischen Bielefeld, wirkt vollständig aus dem Leben gegriffen. Klasse!! Gestärkt wird das Gefühl durch Bielefelder Lokalpatriotismus, der in Kindheits- und Jugenderinnerungen der beiden geweckt wird.

Alles in Allem ist das Buch mit 240 Seiten nicht wirklich lang. Streckenweise wirkt die Handlung trotzdem noch etwas künstlich in die Länge gezogen. Es macht ein wenig den Eindruck einer in die Länge gezogenen Novelle, die dem grundsätzlich sehr kurzweiligen Lesevergnügen auch einige schleppendere Passagen entlockt. Schade. Dies äußert sich auch in einigen „running Gags“, die über das Buch verteilt sind – einige davon tauchen einfach zu oft auf („Ganz einfache Kiste“), so dass sie direkt stören.
Ein sehr sehr subjektiver Kritikpunkt dagegen ist der Name der verflossenen Liebe: Katinka. Ich möchte mich hiermit von vornherein bei allen Frauen entschuldigen, die den Namen Katinka tragen – aber ganz im Ernst: so heißt doch keiner?!?! Es ist irgendwie richtig schwer rüber zu bringen, wie sehr mich dieser Name stört. Wahrscheinlich ein in der tiefe meiner Psyche verwruzeltes Problem gegen diesen Namen. Entschuldigung.
Das Buch kostet bei Amazon 14,80 €. Ich unterstelle mal, dass es im gut sortierten Handel zu ähnlichem Kurs zu haben ist. Für 240 Seiten ist dies leider relativ viel und damit auch ein weiterer subjektiver Kritikpunkt, den ich ansprechen muss: aber wir wissen ja: gute Kunst kann nunmal nicht mit Geld abgewogen werden. Nichtsdesto trotz: Der hohe Preis liegt wohl an dem kleinen Verlag (House of the Poets aus Paderborn) und der damit verbundenen kleinen Auflage des Buches. Wie viel ein Autor leider tatsächlich von einem verkauften Buch erhält wissen wir ja alle.

To make a long story short: Wer (als Bielefelder) gerne viel lacht und sich von einer überraschenden Handlung fesseln lassen will, und nicht vor einem hohen Preis und teilweise langezogenen Handlungssträngen zurück schreckt – dem sei „Lass uns doch Feinde sein“ wärmstens ans Herz gelegt. Ich hatte Spaß beim Lesen! Danke Mischa!

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