Wählen gehen!

by Michi on Januar 25, 2008

Am Sonntag wird der Landtag in den Bundesländern Hessen und Niedersachsen gewählt. Ich will gar nicht groß auf aktuelle Ereignisse, speziell rund um Hessen, eingehen, sondern vielmehr Überzeugungsarbeit leisten. Mir scheint zu viele Vergessen, dass freie Meinung und Demokratie in Deutschland kein Recht, sondern ein Privileg ist. Diese Privilegien gilt es nicht mit Füßen zu treten, sondern sich zu Herzen zu nehmen.
Vielleicht erinnern sich einige noch an ein Werbeplakat, dass „früher“ oft aushing – ich aber leider auch nur aus Politikbüchern kenne. Man sieht einen Tisch, auf dem ein Zettel liegt:

„Wenn du dich nicht entscheidest, verlasse ich Dich!
Deine Demokratie“

Seit einigen Jahren ist das mein Leitmotiv im Kampf, den Menschen die Demokratie ein wenig näher zu bringen. Oft höre ich sachen wie „Politik interessiert mich nicht“, „Ich weiß doch eh nicht, wen ich wählen soll – die machen doch alle nur mist“ usw.
Daher schnell ein paar Worte dazu

Ich weiß nicht, wen ich wählen soll

Nicht jeder Wahlberechtigte hat immer eine auf eine Partei zugeschnittene politische Meinung – viele haben auch gar keine Meinung. Für Leute, die das gerne Ändern möchten, gibt es schöne Möglichkeiten im Internet. Ich zB mag sehr den Wahl-o-Maten. Das funktioniert, in dem man mit 30 Thesen der aktuellen Politik konfrontiert wird („Das dreigliedrige Schulsystem (Gymnasium, Realschule, Hauptschule) soll beibehalten werden“), man kann diesen Thesen zustimmen, sie ablehnen oder ihnen neutral gegenüber stehen. Der Wahl-o-mat vergleicht die eigenen Ansichten mit denen der zur Wahl stehenden Parteien. Am Ende erhält man ein Ranking, in dem man sieht, mit welcher Partei man am ehesten konform geht.
Natürlich ist das keine Wahlempfehlung oder gar -zwang und sollte auch nicht als solches angesehen werden. Aber es kann schon helfen, sich einen gewissen Überblick über aktuelle Politik zu verschaffen und sich in etwa einer politischen Richtung zuzuweisen.

Ich weiß immer noch nicht, wen ich wählen soll

Das ist nicht schlimm. Wichtig ist jetzt nur folgendes: Wählen gehen! Niemand zwingt dich, dich für eine Partei zu entscheiden. Du kannst dich deiner Stimme enthalten. Es gibt zwei Arten, sich der Stimme zu enthalten. Aktiv und passiv. Leider enthalten sich zu viele Menschen heutzutage passiv. Das bedeutet sie bleiben am Sonntag in der Jogginghose Zuhause auf dem Sofa. Aktive Enthaltung besteht dagegen darin, sich zum Wahllokal aufzumachen, den Zettel zu nehmen und direkt ohne etwas auszufüllen in die Wahlurne zu schmeißen. Die Stimme wird als Enthaltung gewertet, aber sie wird gezählt! Die Stimme, die auf dem Sofa bleibt, verrät das System.

Warum soll ich mich nicht passiv enthalten?

Die Sitzverteilung im Land- und Bundestag setzt sich zusammen aus abgegebenen Stimmen und der Wahlbeteiligung. Wer profitiert davon, wenn die Wahlbeteiligung niedrig liegt? Vor allem die kleinen/kleinst Parteien. Allen voran wahrscheinlich die NPD. Der „Erfolg“ dieser Partei in der letzten Zeit ist primär nicht der Mehrung der Anhänger zu verdanken, sondern ergibt sich eben aus dieser gleichgültigen Masse, die es diesen Parteien ermöglichen, in Landtage einzuziehen.

Das kann und darf nicht sein! Also bitte nehmt die Chance wahr. Entscheidet euch. Oder entscheidet euch nicht. Egal was, hauptsache Ihr geht wählen!

3 comments

Ganz meine Meinung, oder wie ein Nerd sagen würde full ACK!

Ich kann es einfach nicht verstehen, dass es Menschen gibt die ruhigen Gewissens und bei vollem Bewußtsein an dem Wahltag zu Hause bleiben können und nicht wählen gehen.

Eine gelebte Demokratie ist das einzige was uns frei hält — nicht der ipod, die playstation oder der neue smart.

by cabi on 25. Januar 2008 at 20:35. #

Ich höre immer das Argument: Wer nicht wählen geht, hilft den kleinen Parteien. Was ist daran schlimm? Sind große Parteien besser? Wenn ich keine Ahnung habe, dann kann es genauso gut sein, dass eine kleine Partei für mich besser ist als eine große und deren Einzug somit ganz gut ist. Die NPD ist nicht in der Nähe der 5%-Hürde, warum die also „allen voran“ sein sollte, weiß ich nicht.

Ich finde ungültig-/leer-wählen auch besser als gar nicht wählen, aber man muss immerhin sagen, dass nicht wählen auch ein Signal ist. Und zwar „ihr schafft es nicht, uns die Wichtigkeit der Wahl und der Themen nahezubringen“. Das ist auch eine Aussage.

Übrigens: Dass die Wahlbeteiligung etwas mit der Sitzverteilung zu tun hat, wäre mir neu. Sowohl nach Haare-Niemeyer als auch nach d’Hondt werden die Stimmen pro Partei und die gültigen Stimmen insgesamt als Grundlage für die Sitzverteilung genommen.

Ich versuche nicht die Leute zum wählen zu bewegen, sondern dazu, dass sie sich informieren. Da ist der Wahl-o-Mat eine gute Sache, aber auch Kurzversionen des Wahlkampfprogramms gibt es von fast allen Parteien. Eine halbe Stunde sollte das jedem wert sein.

by Greg on 29. Januar 2008 at 14:59. #

Ich höre immer das Argument: Wer nicht wählen geht, hilft den kleinen Parteien. Was ist daran schlimm? Sind große Parteien besser? Wenn ich keine Ahnung habe, dann kann es genauso gut sein, dass eine kleine Partei für mich besser ist als eine große und deren Einzug somit ganz gut ist. Die NPD ist nicht in der Nähe der 5%-Hürde, warum die also “allen voran” sein sollte, weiß ich nicht.

Natürlich kann es sein, dass eine kleine Partei besser ist, als eine der großen. Aber wenn man nicht anfängt, sich mit der Materie auseinanderzusetzen, wird man es nicht erfahren. Nichts spricht dagegen, eine kleine/außenseiter Partei zu wählen, wenn man mit ihr konform geht.
In Hessen und Niedersachsen ist das mit der NPD (noch) kein Problem. In Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern sieht das anders aus. Die NPD sehe ich deshalb „ganz vorn“, da sie die Unwissenheit und die Gleichgültigkeit als Kalkül für mehr eigene Stimmen ausnutzt, was rechtlich natürlich in Ordnung ist, ich aber nicht gutheiße.

Ich finde ungültig-/leer-wählen auch besser als gar nicht wählen, aber man muss immerhin sagen, dass nicht wählen auch ein Signal ist. Und zwar “ihr schafft es nicht, uns die Wichtigkeit der Wahl und der Themen nahezubringen”

Genau das ist in meinen Augen die Aussage hinter der aktiven Enthaltung. Passiv ist es eher ein „Mir ist scheiß-egal was mit mir und meinem politischen System passiert“

Übrigens: Dass die Wahlbeteiligung etwas mit der Sitzverteilung zu tun hat, wäre mir neu.

Ich bin grade nicht sicher, wie ich darauf gekommen bin – aber irgendwas gabs da … muss ich mich nochmal schlau machen :-/

by Michi on 29. Januar 2008 at 19:37. #

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